Blick vom Rinnental auf Genkingen

Nähert man sich von Stuttgart nach Süden fahrend der Schwäbischen Alb, kommt man nach einer halben Stunde in die Einkaufstädte Reutlingen und Metzingen (Hugo Boss) oder die romantisch am Neckar liegende Universitätsstadt Tübingen. Von dort muss man nur noch die 400 Höhenmeter des Albtraufes überwinden und schon ist man in Genkingen, der einzigen Ortschaft mit zwei Albaufstiegen. Zwischen Roßberg, Nebelhöhle, Bärenhöhle und dem durch den gleichnamigen Roman von Wilhelm Hauff bekannt gewordenen Schloss „Lichtenstein“ liegt Genkingen als Ortsteil der Gemeinde Sonnenbühl, die es mittlerweile durch ihre in der Laufschrift des Fernseh-Wetterberichtes veröffentlichten nächtlichen Kälterekorde zu fragwürdiger Berühmtheit gebracht hat.

Rinnental und Genkingen im Hintergrund

Die gut 2000 Einwohner von Genkingen sind überwiegend evangelisch. Zentrum der evangelischen Gemeinde ist das idyllische Ensemble bestehend aus der Kirche "Zu Unserer lieben Frau und St. Michael" mit ihrem Turm aus dem 11. Jahrhundert sowie Friedhof, Gemeinde- und Pfarrhaus im Ortskern. So wie hier die Kirche noch mitten im Dorf steht, steht der Sonntags-Gottesdienst mitten im Gemeindeleben. Zum besonderen Profil der Gemeinde tragen ihre Chöre und der CVJM bei. Jung und Alt singen im Kinder-, Jugend- oder Kirchenchor oder sie musizieren im Posaunenchor. Die Geselligkeit und das Feste feiern kommen dabei nicht zu kurz. Der CVJM bietet im Auftrag der Kirchengemeinde für Kinder und Jugendliche zahlreiche Gruppen an. Junge Familien finden in den Spielkreisen (z. Zt. drei Mutter-Kind-Gruppen) Anschluss. Auch viele Jahre nach der Wiedervereinigung existiert noch eine Partnerschaft mit der evangelischen Kirchengemeinde aus Jena-Zwätzen und -Löbstedt, die durch gegenseitige Besuchswochenenden getragen wird, an denen vor allem Chormitglieder teilnehmen.

Landesposaunentag Ulm 2008

Kirchenmusik spielt in allen vier Sonnenbühler Ortsteilen seit jeher eine große Rolle, ganz besonders aber in Genkingen. Dort wurde der Posaunenchor bereits 1925 vom Großvater des heutigen Dirigenten in seiner Schreinerwerkstatt gegründet. Während des zweiten Weltkrieges schrumpfte der Chor zur musikalischen Begleitung des Gottesdienstes zeitweise auf 1 Person zusammen, doch bereits zum ersten Nachkriegs-Landesposaunentag in Ulm 1946 machte sich eine ganze Mannschaft mit ihren Instrumenten zur mehrstündigen Fahrt auf der Pritsche eines Holzvergaser-Lastwagens auf. Durch kontinuierliche Jungbläserausbildung wuchs der Chor auf bis zu 40 aktive Bläserinnen und Bläser an. Dabei weitete sich auch das musikalische Spektrum des Chores gewaltig. Zu den bis in die frühen 70er Jahre dominierenden Chorälen und Spielmusiken gesellten sich Neue Geistliche Lieder, Volksmusik, Spirituals, Bearbeitungen aller Sparten klassischer Musik, jazzige Arrangements und Brass-Band-Literatur, die teilweise auch mit Schlagzeugbegleitung vorgetragen wird. Nach wie vor sind alle Chormitglieder Laien ohne musikalische Ausbildung, teils aber mit großem Talent und Ehrgeiz gesegnet. Wichtig bleibt stets, dass unabhängig vom musikalischen Können jeder willkommen ist, der in dieser christlichen Gemeinschaft mitmusizieren möchte.

Pfarrerin Dr. Käßmann und Chorleiter Dr. Herrmann Kirchentag 2010

Neben Freizeiten und Konzertreisen ins europäische Ausland ist den Chormitgliedern die Teilnahme an evangelischen und ökumenischen Kirchentagen schon seit 1979 (Nürnberg) sehr ans Herz gewachsen, um über den Tellerrand ihrer kleinen ländlichen Albgemeinde hinaus sehen zu können. So war dann auch die spontane Bemerkung von Frau Dr. Käßmann beim Evangelischen Kirchentag in Bremen 2009 , dass leider kein Posaunenchor in der Halle sei, der das gemeinsame Singen begleiten könnte, für die Genkinger Bläser Anlass genug, gleich nach der Rückkehr direkten Kontakt aufzunehmen. Daraus resultierte ein gemeinsamer Auftritt im Rahmen der Bibelarbeit von Margot Käßmann am 13. Mai 2010 beim 2. Ökumenischen Kirchentag in München.